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Horizon Zero Dawn

Guerilla Games schickt uns mit Horizon Zero Dawn in eine postapokalyptische offene Welt voller blutrünstiger Maschinenwesen und einer packenden Story über das Schicksal der Menschheit.

Die Mutterlose

„Wer war meine Mutter?“ Diese Frage stellt sich Aloy, die Protagonistin des Spiels, seit ihrer Kindheit. Sie ist eine Ausgestossene des Nora-Stammes, die von anderen Angehörigen des matriachisch geprägten Jäger-Clans gemieden wird, da sie keine Mutter hat. Zusammen teilt sie dieses Schicksal mit ihrem Ziehvater Rost, der ebenfalls ein Ausgestossener ist. Mit viel Liebe, aber auch strenger Disziplin versucht er aus Aloy eine starke Frau zu formen, um in der Welt der Maschinen zu überleben. Aloy ist von Beginn an hartnäckig und mit einer großen Portion Wut im Bauch. Sie will dazugehören und mit den anderen Kindern spielen, die sie jedoch ausgrenzen und als Mutterlose hänseln.

Aloy mit ihrem Ziehvater Rost

Ein Geschenk aus der Vergangenheit

Während Aloy als Kind wieder einmal den Hass und die Ausgrenzung der anderen spürt, will sie nur noch eins – weglaufen. Blind vor Wut und Trauer stürzt sie in eine Höhle, die sich als eine Ruine einer längst verschollenen Zivilisation herausstellt. Hier entdeckt ein Artefakt, namens Fokus. Dieses Hightech-Augemented System ermöglicht es ihr holographische Informationen über ihre Umwelt zu erlangen. Ausgerüstet mit dem Fokus kann Aloy Spuren ihrer Feinde analysieren, Schwachpunkte der Maschinenwesen erkennen oder Datenquellen aus der alten Zivilisation entschlüsseln, was sie nur noch neugieriger über ihre eigene Vergangenheit macht.

Aloy findet als Kind ein altes Artefakt

Als Kriegerin wirst du auch für deinen Stamm kämpfen müssen

So ist es ihr Wunsch an einem besonderen Ritual, der Erprobung, teilzunehmen. Jedes Jahr veranstaltet ihr Stamm einen Ritus, in dem ausgestossene Kinder wieder in die Gemeinschaft integriert und zu Kriegern werden. Herangewachsen zur jungen Frau will Aloy diese Erprobung Aloy absolvieren, da der Gewinner einen Wunsch erfüllt bekommt – ihre Chance herauszufinden wer ihre Mutter war. Jedoch bedeutet diese Entscheidung auch, dass sie als Mitglied des Stammes nicht mit Ausgestossenen reden darf. Aloy befindet sich in einer emotionalen Zwickmühle, denn was wird dann aus Rost? Rost ermutigt sie aber trotzdem an diesem Ritual teilzunehmen, da er scheinbar mehr weiß, als er zu gibt. Der Verlauf der Erprobung verläuft jedoch nicht so wie wir erhofft haben. Wir erhalten keine Antworten, sondern noch mehr Fragen. Wir erfahren, dass die Maschinen in den letzten Jahren immer aggressiver wurden und eine Verderbnis prophezeit wird.

Aloy als junge Frau

Guerilla Games schafft es eine spannende Story mit dichter Atmosphäre zu erzählen. Nachdem man uns immer wieder ein paar Häppchen über Aloys Vergangenheit hingeworfen hat, will man einfach mehr über ihr Schicksal erfahren. Und man will mehr Einzelheiten über diese postapokalyptische Welt erfahren, in der unterschiedliche Stämme mit Bogen und Speeren gegen hochentwickelte Maschinenwesen kämpfen. Entstammen diese Wesen einer alten Hightech-Zivilisation, deren Spuren man überall in der Welt von Horizon Zero Dawn entdeckt? Oder vernichteten die Maschinen die Alten und eroberten ihre Welt? Diese Welt erinnert auf den ersten Blick an die Steinzeitwelt von Far Cry Primal. Je tiefer wir aber eindringen, begegnen uns eingestürztem Hochhäuser, mit Pflanzen bewucherte Stahlgerippe und die Schemen einzelnen Straßenzüge – dies erinnert schon mehr an The Last of Us.

Bereit für neue Entdeckungen

Mit Demut und Respekt gegen stählerne Bestien

Ein Hauptbestandteil des Spiels sind die Kämpfe gegen die zunächst übermächtigen Maschinen. Jede der über 25 Arten verhält sich unterschiedlich. Friedliche Läufer und Graser werden nur aggressiv, wenn man sie stört und greifen uns dann im Rudel an. Andere, wie der Sägezahn oder Velocirapor-ähnliche Wächter stürzen sich direkt auf uns, wenn sie uns wittern. In jedem Kampf muss sich Aloy die beste Strategie zurechtlegen. So schleichen wir durch das hohe Gras, analysieren die Wege unserer Feinde, stellen Fallen auf und nutzen Schwachstellen für einen schnellen gezielten Angriff mit Pfeil und Bogen.

Das Waffenrad in Aktion

Aber auch Sprengfallen, eine Schleuder oder ein Scharfschützenbogen stehen zur Auswahl. Dieses Kriegsgerät und unsere Kleidung können wir im weiteren Spielverlauf immer mehr modifizieren und verbessern. Hierfür benötigen wir spezielle Ressourcen, die wir in Gefechten, bei Händlern oder als Missionsbelohnungen erhalten. Später haben wir sogar die Möglichkeit die Maschinenwesen zu Überbrücken und als Reittiere oder zur Unterstützung einzusetzen. Neben den Maschinenwesen treffen wir hin und wieder auf einige menschliche Gegner, die sich meistens in Banditenlagern verschanzen. Obwohl die Gefechte mit der Zeit immer knackiger werden, lässt die KI in manchen Situation zu wünschen übrig. Oft können wir von einer etwas weiteren Stelle problemlos ein Gegner nach dem anderen mit dem Scharfschützenbogen erledigen, ohne dass umstehende Gegner etwas davon mitbekommen. Damit es Aloy mit immer stärkeren Kreaturen aufnehmen kann, können wir ihre Fähigkeiten mit Skillpunkten erweitern. Wie in Tomb Raider verteilen wir Punkte auf Jäger-, Krieger- oder Sammlerfähigkeiten. So kann Aloy Stealthangriffe durchführen, mehr Nahkampfschaden ausrichten oder Modifikationen aus Waffen und Kleidung entfernen.

Maschinenbrutstätte

Imposante Spielwelt

In Horizon Zero Dawn erkunden wir immer neue Regionen von üppigen Wälder mit hohen Gräsern, staubigen Landschaften mit schroffen Bergen über schneebedeckte Täler. Ein dynamischer Wetter-und Tageszeitenwechsel sogt für imposante Impressionen. Hin und wieder tauchen wir ein in dunkle Ruinen der alten Zivilisation und technisch geprägte Brutstätten der Maschinenwesen in denen eine Art Bossgegner auf uns wartet, der Überbrückungscodes beschützt. Typisch für Open-World-Titel absolvieren wir neben der eigentlichen Hauptmission zahlreiche Nebenquests, Aufträge oder räumen Banditenlager und verdorbene Zonen. In diesen Zonen sind die Maschinen von einem seltsamen roten Gift umhüllt, das sie noch aggressiver und zäher macht. Immer wieder treffen wir auf Überreste der verschollenen Zivilisation in Form von holographischen Panoramen, Audiologs und Dokumenten, die uns ein wenig mehr über diese Zeit verraten. Ein wahres Highlight sind die riesigen Langhälse, imposante haushohe Maschinen, die durch die Umgebung stapfen. Haben wir es bis zu ihrem Kopf geschafft, genießen wir erst einmal die Aussicht. Wenn wir diese Giganten überbrücken, schalten wir neue Aktivitäten und interessante Orte in der Region frei.

Wie komme ich da hoch?

Mit Horizon Zero Dawn zeigen Guerilla Games ihr ganzes Können. Die Grafik gehört ohne Kompromisse zu den besten, die es bis jetzt auf der PS4 zu bestaunen gab. Perfekt abgestimmte Animationen und viel Liebe zum Detail runden dieses Ergebnis ab. Während wir im Sonnenuntergang durch mannshohe Gräser streifen, die bei jeder Berührung hin- und herpendeln, vergessen wir völlig, dass wir uns eigentlich vor einer Horde Wächter verstecken, die uns mit ihren roten Suchscheinwerfern ins Visier genommen haben.

 

Sieg!

Fazit

Obwohl sich Guerilla Games für Horizon Zero Dawn vieler Ideen aus anderen Spielen bedient, ist es gewiss kein Abklatsch, sondern ein Meisterwerk. Warum das Rad neu erfinden, wenn man es verbessern kann? Das Spiel schafft es mit einer atemberaubenden Kulisse und Atmosphäre zu punkten. Durch die von Anfang an überzeugend dargestellte und sympathische Heldin Aloy, bauen wir sofort eine Bindung auf. Wir leiden mit, wenn sie als Kind gemieden wird und wollen sie bei der Suche nach ihrer Vergangenheit unterstützen. Die Story wird nie langweilig oder wirkt aufgesetzt. Die Abenteuer von Aloy werden perfekt in die offene Spielwelt integriert. Ein weiteres Highlight sind die taktische Gefechte. Jede Maschinenart hat ihre Stärken und Schwächen, die zuerst ausgelotet werden müssen, um den Kampf zu bestehen. Neben all den Pluspunkten, schwächelt Horizon bei der KI menschlicher Gegner und dem Ausbau der Fähigkeiten.

Dieses Review erschien auch auf Polyradar

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